PROJEKT:

Interview projekt
Interviewprojekt
Interview project

Sonnabendvormittag um 9.00.
Wir sitzen in unserer Interviewgruppe zum erstenmal zusammen und niemand kennt seinen Nachbarn und dessen Nation. Um sich besser kennenzulernen, stellt sich jeder kurz vor und sagt, warum er diese Gruppe gewählt hat. Unsere Erwartungen sind unterschiedlich, manche haben bereits Erfahrungen, manche auch nicht.
Unsere Interviewgruppe besteht aus 11 Schülern und 2 Betreuern:

Nach und nach bekommen wir Information über die Wende '89 und den Prager Frühling 1968. Daraus ergab sich ein Informationsaustausch über die politischen Situationen in den anderen Ländern. Zum Beispiel war die Situation in der DDR vergleichbar mit der Situation vor der Wende in der Slowakei. Dieser Vergleich war für alle Beteiligten sehr interessant und viele bekamen ein besseres Verständnis für die jetzige Situation in der Slowakei.
Dann wurden wir in 3er oder 4er Gruppen möglichst international eingeteilt und wir wählten uns unsere Gesprächspartner aus. Nun begannen wir in unseren Gruppen zu arbeiten, wir versuchten uns gute Fragen auszudenken und natürlich uns besser kennenzulernen.

Montagmorgen fuhren einige von unserer Gruppe ins Archiv in Poprad und versuchten die Informationen zu bekommen, die wir brauchten für unsere Fragen. Die anderen lasen etwas über die Geschichte. Als alle wieder zusammenwaren, tauschten wir die neuen Informationen aus und diskutierten darüber. Am Nachmittag beendeten wir unsere Fragebögen.

Am Mittwoch führte jede zweite Gruppe 2 oder auch 3 Interviews durch, die ungefähr jeweils 1 - 1½ Stunden dauerte. Nachdem wir zurückwaren, werteten wir unsere Interviews aus und begannen an den Berichten zu arbeiten.

Die meisten Interviewpartner waren sehr freundlich, aber einige von ihnen beantworteten unsere Fragen ziemlich distanziert und unpersönlich. Wir hatten manchmal Probleme mit dem Verständnis, weil die Übersetzer (Schülerinnen vom Poprader Gymnsium) uns zwar eine Zusammenfassung gaben, wobei jedoch der persönliche Wortlaut der Menschen öfters verlorenging.
Aber alles in allem waren die Interviews sehr interessant, wir haben eigentlich unser Ziel, etwas mehr über die Mentalität und die politische Wende zu erfahren, erreicht.

Karolina Gwinner (PL)
Helvi Meckelburg (D)

Interview 1

Vorsitzender des slowakischen Parlaments, Herr Gasparovic

Dieses Interview haben wir mit dem Vorsitzenden des slowakischen Parlaments, Herrn Gasparovic, gemacht. Noch besser gesagt, einer von uns, Roman Mocik, hat ein sehr großes Glück gehabt, daß er mit einer so wichtigen Person der slowakischen Politik, sprechen konnte.

Herr Gasparovic ist im Jahre 1941 geboren. Er hat Jura studiert und später hat er ein Jahr Jurapraxis am Gericht gemacht. Nach diesen Erfahrungen hat er als Lehrer an der Komensky-Universität in Bratislava gearbeitet. Nach der Revolution im Jahre 1989 war er der Oberstaatsanwalt der CSFR (Tschechoslowakische Föderative Republik).

Diese Wende im Jahre 1989 hat für viele ost-europäische Staaten, die unter starkem russischen (kommunistischen) Einfluß standen, eine neue demokratische Entwicklung bedeutet. Zu dieser Zeit war Herr Gasparovic Dozent an der Universität und hat im Rahmen dieser Wende einige Aktionen mit seinen Studenten organisiert. Im Jahre 1992 wurde er zum Vorsitzenden des slowakischen Parlaments gewählt.

Von 1989 bis 1992 gab es die CSFR und nach diesen drei Jahren machten sich die beiden Staaten selbständig. Herr Gasparovic meinte, man hätte besser einige Jahre lang eine konföderative Republik gebildet, damit man mehr Zeit hatte, die wichtigsten sozialen Fragen zu lösen. Als Beispiel nannte er die Unterschiede zwischen den Gehältern der tschechischen und der slowakischen Arbeiter. Weiter meinte er zu dieser Abtrennung, daß es nur ein Spiel der Politiker sei ohne daß die Bevölkerung befragt wurde.

Die drei wichtigsten Phasen zur Selbständigkeit der Slowakei sind nach Meinung des Herrn Gasparovic:
- 17.07.1992: Souveränitätsdeklaration
- 01.09.1992: wird die neue Verfassung ausgearbeitet
- 01.01.1993: entstand die souveräne Slowakische Republik

Aus aktuellem Anlaß (am 23. Mai 1997 beginnt ein Referendum über Beitritt in die NATO) haben wir Herrn Gasparovic am Ende unseres Interviews um seine persönliche Meinung zu diesem Thema gebeten. Seiner Meinung nach sollte sich die Slowakische Republik am besten in die schon existierenden europäischen Strukturen integrieren. Vor allem sollte man vermeiden, daß es wieder zu irgendeiner Teilung Europas kommt.


Interview 2

Jarka Rajecova vom Reisebüro Nova

In dem Interview, das wir mit Frau Rajecova geführt haben, wollten wir gerne wissen, welchen Einfluß die Wende auf das Reisebüro gehabt hat.

Sie erzählte, daß Reisen vor der Wende keine einfache Sache war . Es gab mehrere Schwierigkeiten:
Man mußte Geld, eine Erlaubnis vom Chef und eine Einladung von Verwandten oder Freunden haben.. Nur für die Mitglieder der Partei oder Mitarbeitern der Geheimpolizei war es einfacher.
Die Slowaken besuchten nur die sozialistischen Länder.
Die Wende kam unvorbereitet, die Leute waren spontan begeistert, und blitzschnell kamen private Reisebüros.
Die Leute waren hungrig danach in den Westen zu fahren.
Jetzt fahren viele Leute nach Jugoslawien, Italien, Spanien Griechenland oder Frankreich.
Nicht viel Leute fahren nach Ungarn und Tschechien, aber Frau Rajecova ist sich sicher, daß dies aus Traditionsgründen wiederkommt. Die Slowaken fahren aber nach Amerika weil sie dort Verwandte haben. Die meisten Leute fahren mit dem Autobus, da das am billigsten ist. Wir haben erfahren, daß das Reisebüro alle Reisetypen veranstaltet: Abenteuerreisen, Sprachreisen usw. Slowakische Leute beschweren sich nicht oft bei dem Reisebüro, aber wenn sie das tun, dann wegen Qualität. Das kommt davon, daß sie meistens nicht gut informiert sind, und für wenig Geld hohe Qualität erwarten.
Wir wollten noch wissen, wie die Situation im Reisebüro sich verändert hat, und wir haben erfahren, daß der „Boom" nach der Wende vorbei ist. Früher gab es viele staatliche Büros und jetzt gibt es mehr private. Die Kommunikation läuft viel schneller.
Es gibt etwas ganz neues - die Konkurrenz zwischen den Reisebüros. Das gab es früher nicht.
Leider gibt es noch keine Vorschriften zum Schutz der Kunden, aber das wird noch kommen. Zur Zeit kann man von ahnungslosen Kunden gut profitieren.

Frau Rajecova sagt, daß man immer Angst vor der Konkurrenz hat, aber das ist positiv. Des weiteren sagte sie, daß sie Optimist sei, da Reisen eine „Droge" sei. Sie will in der Zukunft aus der Slowakei ein touristisch attraktives Land machen und viel mit dem Reisebüro erreichen. Bisher hat sich das Fremdenverkehrsministerium darum gekümmert und sie will ihnen helfen.
Wir fanden das Interview sehr interessant, weil die Frau auf deutsch geredet hat. Sie sprach auch über die Situation in den Niederlanden, Deutschland und Polen. Sie erzählte viel und gab viele Beispiele. Wir haben wirklich viel erfahren.

Nynke (NL)
Kasia (PL)
Eva (SK)
Helvi (D)


Interview 3

Dusan Nebus, headmaster of Gymnasium D. Tatarku, Poprad

We talked with the headmaster of the public school "Gymnasium Ulica D. Tatarku" in Poprad. The school has 1000 students from the age of 10 to 20 in to 35 classes and 140 employes. The school has a basic-, bilingual-, primary-,languages-, and computer department In the bilingualdepartment some subjects are tought in German and some in Slovakian, you can have your examination in both languages. The primarydepartment is for people from the age of 6 to 10. Furthermore there are 1200 students in the age of 12 to 100 years. You can learn here English, German, French and Spanish. At the end of the school you can get a special public examination for the language you have studied. But the most popular department is the computerclass, many pupils want to go there. They have 30 computers which are connected to Internet. The schoolsystem is similar to that in other european countries for example: they have primary schools, secundery schools, "gymnasiums" and universities between that they have profeeion schools. If you want to go to the university you have to pass the examination of the "gymnasium" and many times you also have to do a special test before you are allowed to studie at the university. If you are on a profession school you can't go to the university.
The change in the year 1989 didn't influence the schoolsystem. But more and more pupils want to go to the "gymnasium". The most chosen professions are connected with economics, tourism, justice and medicine. The most of the students are not interested in the technical direction, because it doesn't offer many jobs.
The school wants to prepar the students for the future, that was also before 1989 the most important tast of the school. During the communistic period politic was more important than today, they taught a communistic ideology. Now everybody has more freedom and the relationship between pupil and teacher is more personal. The school has nothing to do with politics. There are also negative changes like the use of drugs and other international problems.
The school is looking for relationships with the east and the west, but it's easier to get contact with schools in western europa, because of the political situation in Slovakia today. The school gets money from the gouverment, not enough, like in every country but it gets wat it needs. It's hard to find teachers scpecially for the languages, because the gouverment payes a very low salary to the teachers. Inspite of that the conditions are always improving, the school has a good standard.


Interview 4

Herr Barger, Textilhaendler

Unser erstes Interview führten wir mit dem Textilhändler, Herrn Barger, der über drei Geschäfte sowie über einen Großhandel in der Slowakei verfügt. Obwohl wir zeitlich stark eingeschränkt waren, entwickelte sich ein entspanntes Gespräch, in dem er unsere Fragen freundlich beantwortete.
Den Laden, den wir besuchten, stellt den kleinsten seiner Geschäfte dar. Er wurde 1991 ohne finanzielle Unterstützung, wohl aber mit Hilfe eines Kredits, errichtet. Bei 90% der angebotenen Waren handelt es sich dabei um importierte Artikel, die vor allem aus Taiwan und Korea, aber auch aus Deutschland und Polen stammen.
Wie in jedem Betrieb gibt es eine Konkurrenz, die seit 1989 ständig zugenommen hat. Trotzdem steigt sein Umsatz kontinuierlich an. Deshalb blickt er optimistisch in die Zukunft. In 10 Jahren, so meint Herr Barger, werde er ein großes Geschäft besitzen. Auch in anderen Bereichen werde es bald sehr viel besser aussehen, sofern die Menschen nicht pessimistisch eingestellt sind.
Insgesamt beurteilt er persönlich die Wende als äußerst positiv, da er nicht enttäuscht wurde. Doch, so meint Herr Barger, habe es einige negative Entwicklungen gegeben, die etliche Befürworter kritisch werden ließen. So gab es in 1989 eine Inflation, die dafür sorgte, daß totz der höheren Löhne, sie liegen durchschnittlich bei 400 DM, das zur Verfügung stehende Geld geringer ausfiel, da gleichzeitig, die Preise erheblich stiegen.
Auch die zunehmende Arbeitslosigkeit , die "Konsumsucht" der Menschen sowie das Auseinanderdriften der Gesellschaftsschichten in eine reiche, mächtige und eine schwache, mittellose Gruppe gehören zu diesen negativen Aspekten.
Trotzdem sieht er die Wende, die er auch dem positiven Einfluß des Westens zuschreibt, als erfolgreich an.
Auf die Frage , was er von den Plänen zum EU-Beitritt halte, antwortete Herr Barger , er begrüße dies für sein Geschäft, allerdings sei dazu die Erfüllung der EU-Bedingungen notwendig.

Mareike (D)
Edita (SK)
Karolina (PL)
Anna (S)


Interview 6

Jaroslav Mervart, Handelsdirektor von Chemosvit

Unser letztes Interview führten wir mit einem ehemaligen Handelsdirektor der Firma Chemosvit. Da er aufgrund eines Herzinfarktes momentan beurlaubt ist, besuchten wir Herrn Jaroslav Mervart in seinem Haus. Er begrüßte uns sehr herzlich und unser 2 ½ stündiges Gespräch ging, dank seiner gründlichen Vorbereitung und dem fehlenden Zeitmangel weit über unsere Fragen hinaus.
Ursprünglich war Herr Mervart ein Buchhalter, doch während der 35 Jahre,die er nun schon in der Firma arbeitet, wurde er erst zum Stellvertretenden Handelsdirektor, war einige Jahre als stellvertretender Direktor der gesamten Firma tätig und arbeitete ab 1989 als Handelsdirektor.
In der Fabrik, die bereits seit 60 Jahren existiert, werden Kunstrfolien hergestellt. Es handelt sich um eine große Firma, die in einem Jahr mehrere Millionen an Folien herstellt (1996-ca. 3,5 Millionen). Besonders seit 1989 ist die Produktion erheblich angestiegen. So erhöhte sich die Produktion 1996 um 18,9% im Gegensatz zum Vorjahr.Her Mervart erzählte uns, daß die Firma schon immer sehr fortschrittlich war.Als ein Beispiel dafür nannte er den Export von Zellglas, der schon seit 20 Jahren betrieben wird.Allerdings sei eine ständige Weiterentwicklung sowie eine Orientierung am Westen wichtig, um in der Weltkonkurrenz mithalten zu können und an die Weltspitze zu gelangen. In seinem Betrieb schreite die Modernisierung jedoch sehr schnell voran, so daß der westeuropische Standart bereits teilweise erreicht sei.
Eine Neuerung, die nun eingeführt wird, um eine effektive Arbeit zu erreichen, ist die Aufteilung der Firma in 10 verschiedene Abteilungen zur Produktion der Folien, die jedoch weiterhin einer einheitlichen Leitung unterstehen. Die einzelnen Abteilungen sollen teilweise auch in internationaler Zusammenarbeit, z.B. mit Finnland und Deutschland geleitet werden, da so die ausländische Technologie besser genutzt werden kann.Mit großem Erfolg wird dies bereits mit einer finnischer Firma praktiziert. Allerdings, so Herr Mervart, sei die Zusammenarbeit nicht mit allen Ländern gleichgut. Er schätze besonders die Russen als Verhandlungspartner, da sie besonders zuverlässig seien.
Auch für den Naturschutz setzt sich Chemosvit ein, in dem die umweltschädliche Produktion, die 1/15 der Gesamtproduktion Chemosvits ausmachte, eingeschränkt wurde. So mußten einige Produktionsweisen umgestellt oder ganz weggelassen werden oder es war eine Erneung der Maschinen notwendig. Auch viele andere Unternehmer reagierten wie Chemosvit und nur wenige behalten ihre alten Produktionsweise bei. Insgesamt hatte das Jahr 1989 jedoch keine übermäßige Bedeutung für die Firma. Die Preise veränderten sich nur minimal, da das Preisniveau bereits vorher fast dem des Westen entsprach. Auch sei keine nennenswert größere Konkurrenz zu verzeichnen, da die westlichen Firmen sich im Osten den dortiger Bedingungen anpassen müssen und es dadurch etwas schwerer haben. Die Wende, so Herr Mervart, habe dazu geführt, daß Firmen aus Ost und West zu gleichberechtigten Handelspartnern geworden sein. Daher sehe er die Zukunft seiner Firma in der internationalen Zusammenarbeit.
Herr Mervart sieht die Wende als eine positive Entwicklung für sein Land an. Er selber sei nicht politisch, sondern nur an der Produktion in seiner Firma interessiert. Auch habe er nicht zu den Menschen gehört, die sehr gefühlsbetont auf die Wende reagierten.
Allerdings sieht er neben dem Optimismus, den er für seine Firma aufbringt, auch negative Entwicklungen. So seien heutzutage wesentlich größere Klassenunterschiede zu verzeichnen, da im Kapitalismus das Individuelle wichtiger als das Kollektive sei. Ein weiteres Problem stelle die Arbeitslosigkeit dar, ebenso wie die niedrigen Löhne.
Zwar seien die Gehälter nach '89 angestiegen, jedoch nicht in dem Maße wie die Preise für die Waren zunahmen. So ist beispielsweise ein Arbeiter der Firma Chemosvit, der durchschnittlich 8.000 - 12.000 Kronen im Monat verdient, nicht in der Lage, sich ein Haus zu kaufen. Doch, so schließt er, jede Epoche habe ihre Vor- und Nachteile, und hier würden die positiven Aspekte überwiegen.
Auch den Eintritt in die EU befürwortet Herr Mervart, da dies beste Aussichten für die Firma darstelle. Zwar gebe es einige Politiker, die gegen den Beitritt seien, doch diese haben seiner Ansicht nach, die Bedeutung der EU noch nicht erkannt.
Nach dem Interview konnten wir auf sein sehr informatives und aufschlußreiches Gespräch zurückblicken, für das wir uns bei Herrn Mervart, aber auch bei seiner Tochter, die durch eine äußerst genaue Übersetzung half, bedanken möchten. Dies gilt ebenfalls für die Artikel, die wir von Chemosvit erhielten. Abschließend hoffen wir, daß Herr Mervart seinen Vorsatz, die Familie in Zukunft in den Vordergrund zu stellen, verwirklicht und weiterhin mit so viel Freude seiner Arbeit nachgehen kann, denn die Firma ist sein Leben.

Edita (SK)
Anna (S)
Karolina (PL)
Mareike (D)


Interview 7

Milan Jurco, stellvertretender Bürgermeister von Poprad

Mittwoch, den 21.5.1997, sind wir nach Poprad gefahren, um unser nächstes Interview zu führen. Es handelte sich um ein Gespräch mit dem stellvertretenden Bürgermeister, Herrn Milan Jurco.
In der Slowakei wählen die Einwohner in direkten Wahlen den Bürgermeister für fünf Jahre und bestimmen darüberhinaus 48 Abgeordnete für vier Jahre in die Stadtverwaltung. Diese Vertreter wählen dann den stellvertretenden Bürgermeister für ebenfalls vier Jahre. Herr Jurco arbeitet in dieser Position seit fünf Jahren, also hat er schon ein zweites Mal bei den Wahlen gewonnen. Er ist einer der Gründer der KDH (Katholisch-Demokratische Partei) und hat diese Partei seit der Wende noch nie gewechselt.
Herr Jurco findet Poprad aus dem Grunde interessant, daß in dieser Stadt die rechte Partei die Mehrheit stellt. Die kommunistische Partei ist heute nur noch sehr schwach vertreten. Sie hat nur 1,1% der Stimmen bekommen, das ist besonders im Vergleich zu Tschechien sehr niedrig. Vor der Wende war die kommunistische Partei so stark, daß keine andere Partei vertreten war. Die kommunistische Partei und ihre Ideologie wurden von der Sowjetunion beeinflußt. Nicht nur die Politik, sondern das ganze System und die Ökonomie waren von diesem Einfluß geprägt. Die Leute durften damals nicht ihre eigene Meinung sagen oder in andere Länder reisen. Herr Jurco hat auch über den ökonomischen Einfluß gesprochen. Die Slowakei hat von der Sowjetunion Rohstoffe erhalten, aus denen sie halbfertige Waren produziert hat, die sie dann wieder in östliche Länder exportiert hat. Die gesamte wirtschaftliche Entwicklung wurde im voraus für fünf Jahre geplant, es spielte keine Rolle, wie sinnvoll oder zwecklos diese Produktion war. Dabei wurde oft die Umwelt in den schönsten Gebieten der Slowakei stark verunreinigt. Heute existieren viele Firmen, die sich teilweise an den Westen orientieren, z.B. haben Österreich und Frankreich , aber auch andere Länder Anteile an vielen slowakischen Firmen. Im Gegensatz zu heute gab es vor der Wende keine Konkurrenz zwischen den Betrieben, so daß der Staat heruntergewirtschaftet war. Im Gegensatz zum isolierten Staat von früher versucht die Slowakei, sich heute in Europa zu integrieren, um einen besseren wirtschaftlichen Standard zu erreichen.
Herr Jurco denkt, daß die Slowakei am Anfang auf einem anderen Standard als die EU stand, jedoch mit der Zeit und der Hilfe von westlichen Ländern diesen Standard erreichen und ein gleichberechtigter Partner für die EU werden kann. Eine aktuelle Frage zu diesem Thema ist die, ob die Slowakei in die Nato eintreten sollte. Herr Jurco ist dafür und hat mit seiner Partei die Bewegung eingeleitet.
Eine weitere Aktivität, sich in Europa zu integrieren, ist die Kandidatur für die Olympischen Winterspiele 2006 in Poprad. Jedoch hat auch diese Aktivität ihre negativen Seiten, da die olympischen Winterspiele einen Teil der Natur zerstören würden, wogegen die Grüne Partei protestiert. Herr Jurco sagt dazu, daß die Organisatoren der Winterspiele mit dieser Partei zusammen arbeiten und die Natur weitmöglichst erhalten wollen.

Unser persönlicher Eindruck:

Unser Gesamteindruck ist positiv, jedoch gab es einige Schwierigkeiten bei der Organisation des Interviews. Es war ursprünglich geplant, daß wir mit zwei Interviewgruppen zwei verschiedene Personen der Stadtverwaltung befragen sollten, leider hatte nur Herr Jurco Zeit, so daß das Gespräch mit beiden Interviewgruppen zusammen geführt werden mußte. Das Problem dabei war, daß er uns nicht sagte, wieviel Zeit er hatte und so das Gespräch beendete, nachdem nur die erste Interviewgruppe ihre Fragen gestellt hatte.
Es war etwas enttäuschend für die zweite Interviewgruppe in mühsamer Arbeit einen ausführlichen Fragebogen erarbeitet zu haben, den sie nun nicht anwenden konnte.
Ein weiteres Problem ergab sich dadurch, daß Herr Jurco sehr viel zu den einzelnen Themen zu sagen hatte und keine Pausen für die Übersetzung ließ.
Auf der anderen Seite war es sehr schön, daß er viel zu sagen hatte und uns interessante Informationen gab. Er war uns gegenüber sehr offen und freundlich, so daß das Gesprächsklima angenehm war. Am Besten hat uns natürlich die nette Begrüßung mit Getränken und Süßigkeiten gefallen.


Interview 8

Herr Vojtasak, Frauenarzt

Im Rahmen der diesjährigen Befragung Poprader Betriebe, Geschäftsleute, Bürger und der Verwaltung interviewten wir Herrn Vojtasak, einen Frauenarzt, der tagsüber im Krankenhaus (also staatlich) arbeitet und abends (von 17.00-19.00 Uhr) privat in seiner Praxis arbeitet. Er zeigte uns- nicht ohne einen gewissen Stolz- seine kleine Praxis und danach sprach er mit uns über seine Patienten( allgemein), seinen Beruf und über die Versicherungen.
Seit der Wende in der Slowakei existieren viele Versicherungen, wobei es der Bevölkerung eigentlich fast egal ist, in welcher sie versichert sind. Die zubezahlenden Beiträge der Arbeitnehmer zahlt der Arbeitgeber und die der "Sozialfälle"+ Rentner zahlt der Staat.
Bei den Ärzten allgemein sieht es anders aus.
Jeder Arzt bekommt einen bestimmten Stadtteil zugewiesen und dessen Einwohner müssen dann zu diesem Arzt gehen. Allerdings können sie jedes halbe Jahr ihren Arzt wechseln. Um die Patienten nicht zu verlieren und deren Geld, müssen die Ärzte sehr gute Behandlungen haben. Das erfordert eine gute technische Ausstattung und die ist teuer. In unserem Fall arbeitet der Arzt nur 2 Stunden am Tag. Seine Patienten müssen ihre Rechnungen gleich bezahlen, da die Versicherungen dem Arzt nicht alle Kosten erstatten. Die Patienten bekommen einen Beleg für ihre Versicherung, von der sie dann einen Teil zurückerstattet bekommen.
Ein Arzt hat normalerweise Abkommen mit mehreren Versicherungen. Das Problem der Patienten ist nur, daß falls sie den Arzt wechseln , ihr neuer Arzt ein Abkommen mit ihrer Versicherung haben muß.Anderseits können auch Versicherungen Abkommen mit Ärzten ablehnen, wenn die Arztrechnung für die Versicherung zu hoch ist.
Neben den Privatärzten gibt es noch staatliche Ärzte, deren Rechnungen nicht so hoch sind, aber ihre Leistung(Qualität) ist deutlich geringer als die der privaten Praxen und deshalb bezahlt die Bevölkerung lieber etwas mehr.
Auf die Frage , ob heute mehr oder weniger Kinder geboren werden als vor der Wende, antwortete er, daß die Zahl der Geburten seit 1991 um 20% gesunken ist.Wobei es bis 1990 viel mehr Abtreibungen gab als heute, aber das liegt wahrscheinlich an der guten Aufklärung über verschiedene Verhütungsmittel. Im Jahr hat er 10 bis 20 Fälle, in denen junge Mädchen ungewollt schwanger werden, aber das sind meistens Zigeuner.
Außerdem wollten wir noch wissen, ob die Eltern lieber Jungs oder lieber Mädchen haben wollen. Er sagte, daß es den Eltern eigentlich egal ist, die Hauptsache ist, daß das Kind gesund ist. Zum Schluß noch einen Blick in die Zukunft aus der Sicht von Herrn Vojtasak. Er bemerkt jetzt schon eine positive Entwicklung, wobei er eher die technische Seite meint. Er setzt auf den Ultraschall, da man Krankheiten bereits sehr früh erkennen kann.
Für die Ärzte allgemein: Ärzte aus den Ostblockstaaten werden in westlichen Ländern bevorzugt, da sie jahrelange Erfahrungen ohne viel technische Geräte haben und somit besonders korrekte Diagnosen stellen.
Unser persönlicher Eindruck:

Leider waren wir mit diesem Interview nicht so zufrieden. Das erste Problem war, daß er nicht unsere (deutsch/englisch) Sprache gesprochen hat und somit vieles durch die Übersetztung verloren ging. Unseren Wunsch Zitate und übliche Redewendungen für unser Interview zu verwenden, konnten wir demzufolge vergessen. Auch fühlten wir uns ein bißchen unnütz, da wir eigentlich dasaßen und nichts zu tun hatten, außer derjenige, der mitschrieb.
Unser zweites Problem war, daß er unsere Fragen ziemlich unpersönlich, also objektiv, beantwortete.
Unser Ziel war aber eigentlich durch unsere Interviews mehr über die Mentalität, Einstellung und das Lebensgefühl der Menschen in der Slowakei zu erfahren. Ein Beispiel dafür. Unsere Frage: "Sind Abtreibung, Vergewaltigung und künstliche Befruchtung ein Tabutema?" Antwort: "Nein."
Aber es ist gut, das wir nicht nur diesen einen Slowaken kennengelernt haben, sonst hätte man vielleicht auf einen sehr merkwürdiges Völkchen verallgemeinern können.
Nynke Koops
Kasia Sum
Helvi Meckelburg


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